Spendenaufruf Advent 09

 

Mit ganzer Kraft.

Wir bitten um Ihre Spende

 

Denis R. ist 32 Jahre alt. Seit 8 Jahren ist er angestellt in den Werkstätten der Initiative Pskow, und zwar in der Gärtnerei. Vielleicht hat er auch deshalb ein besonderes Verhältnis zu seinen Schützlingen, weil er seine rechte Hand nicht benutzen kann. Die Stadt Pskow zahlt ihm ein Gehalt von 8.700 Rubeln monatlich, das sind 200 €. Das Lebensminimum einer Person liegt bei 150 €. Denis R. ist seit vier Jahren verheiratet, sein kleiner Sohn wird im Januar vier Jahre alt.

Die Initiative Pskow bezahlt ihm – wie allen russischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Werkstätten und im Heilpädagogischen Zentrum – einen Gehaltszuschuss. Bei Denis sind das 60 € (2.640 Rubel) monatlich, bei allen Mitarbeitern zusammen 60.000 € im Jahr.

Wir zahlen diese Beihilfe aus menschlichen Gründen, unsere Mitarbeiter sollen nicht unter das Existenzminimum stürzen. Wir wollen aber auch, dass Denis R. und all die anderen mit ganzer Kraft für ihre Schützlinge da sein können und sich nicht einen zweiten oder gar dritten Job suchen müssen. Wir möchten nicht, dass sie kündigen, wenn eine lukrativere Stellung winkt. Solche Angebote bekommen die Tüchtigen trotz der Finanzkrise, denn sie haben sich bei uns zusätzlich qualifiziert, haben sich im sozialen Bereich fortgebildet und oft auch deutsch gelernt.

Noch wichtiger ist die tägliche Warme Mahlzeit für alle Schülerinnen und Schüler und alle Beschäftigten in den Werkstätten. Das Essen wird im HPZ gekocht, von dort auch in die Werkstätten geliefert, es ist einfach, aber schmackhaft und gesund. Pro Jahr gibt die Initiative Pskow dafür 20.000 € aus. Gut angelegtes Geld, denn sehr viele, vielleicht die meisten, würden sonst überhaupt keine warme Mahlzeit bekommen. Aber so versorgt, können sie lernen und arbeiten mit der ganzen Kraft, die sie haben.

Wir wollen beides weiterführen, die Gehaltsbeihilfe und die Warme Mahlzeit. Aber beides lässt unseren laufenden Etat zusammenschmelzen. Deshalb erbitten wir Ihre Weihnachtsspende in diesem Jahr für diese beiden Aufgaben. Bitte spenden Sie auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten mit ganzer Kraft.

Dafür danken wir Ihnen und wünschen Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit.

Ihr                                                                                           Ihr

(Klaus Eberl)                                                   (Dieter Bach)

Nachhaltigkeit

Eine kleine Geschichte Ihrer Weihnachtsspenden

So fing es an: Im zweiten Rundbrief der Initiative vom September 2000 wurde um Spenden für eine Warme Mahlzeit (für 290 Kinder an 300 Tagen im Jahr) und für eine Werkstatt für Behinderte gebeten. Das Heilpädagogische Zentrum war bereits 1993 eröffnet worden. Vorausschauend hatte Architekt Reimar Kirchhoff eine Grundplanung für Werkstatt, Wohnbereich und Verwaltung entworfen mit „150 bis 200 Plätzen für geistig und schwermehrfach Behinderte“. Im Jahr 2000 aber ging es nur darum, drei der alten Holzhäuser einer aufgegebenen Feriensiedlung gegenüber dem HPZ winterfest zu machen. Inzwischen gibt es dort 150 Plätze, nach der letzten Ausbaustufe im Jahr 2011 sollen es 250 sein. [mehr]

Weihnachten feiern

im HPZ und in den Werkstätten

 

Wenn es kalt wird und wenn der Schnee fällt – und zwar reichlich kalt und reichlich Schnee – dann rückt in Russland die Weihnachtszeit näher. Das ist nicht selbstverständlich. 70 Jahre lang wurde in Sowjetrussland Weihnachten überhaupt nicht oder nur von Wenigen im kleinsten Kreis gefeiert. Das russische Weihnachtsfest beginnt in der Nacht vom 6. auf den 7. Januar. Im Zarenreich war der 24. Dezember Heiligabend – allerdings nach dem alten julianischen Kalender.  [mehr]

Neue Wanderausstellung eröffnet

 

Eine von Jochen Leyendecker graphisch gestaltete Ausstellung über „Pskow 1941-2011 - Von der zerstörten zur sozialen Stadt“ wurde auf der Mitgliederversammlung der Initiative Pskow im November 2009 eröffnet. Die Ausstellung kann in Kirchen, Gemeindehäusern und anderen öffentlichen Gebäuden gezeigt werden.

Ausstellungstafeln als pdf-Druck anschauen (11 MB)

Terminabsprachen über Dieter Bach

 

Mitgliederversammlung

am 21. November 2009

in Wassenberg

Bericht des Beirates [Download, 3,4 MB]

Von der Überwindung der Mauern. 150 Jahre Wechselwirkungen zwischen Theologie und den Lebenslagen von Menschen mit Behinderungen

 

Ein Beitrag des Vorsitzenden

Oberkirchenrat Klaus Eberl

klaus-eberl

Eberl beschreibt zunächst die Auffassung zu Beginn des 19. Jahrhunderts, Behinderung sei eine Strafe Gottes. Erst allmählich gewinnt die theologische Vorstellung an Boden, im leidenden Menschen begegne uns Christus. Die Bemühungen der frühen Diakonie werden gewürdigt, es werden aber auch die problematischen Folgen einer Sonderwelt der Anstaltsdiakonie benannt. Zu den dunklen Kapiteln des 20. Jahrhunderts gehört die Vorstellung, Menschern mit Behinderungen seien gesellschaftlicher Ballast. Sie findet im Nationalsozialismus durch den als „Euthanasie“ beschönigten Mord an Hunderttausenden ihren traurigen Höhepunkt. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzen sich theologische Überlegungen durch, die Krankheit und Behinderung als Teil der guten (!) Schöpfung sehen, als Realitäten innerhalb eines „Patientenkollektivs“, dem alle Menschen angehören. Mit dem bürgerschaftlichen Engagement der Eltern behinderter Kinder in den 60er Jahren beginnt ein Prozess, der die Emanzipation und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen zum Ziel hat. Leitmotive sind nun Assistenz statt Fürsorge, Selbstbestimmung statt Mitleid, Inklusion statt Ausgliederung.

> Beitrag im Download

10 Jahre Initiative Pskow

Am 2. Februar 1999 fanden sich die aus der beiliegenden Anwesenheitsliste ersichtlichen Frauen und Männer im Theodor Fliedner Werk in Mülheim an der Ruhr zusammen, um den Verein ‚INITIATIVE PSKOW IN DER EVANGELISCHEN KIRCHE IM RHEINLAND E.V.’ zu gründen." So beginnt die rechtliche Geschichte unseres Vereins mit damals 44 Gründungsmitgliedern. Inzwischen zählen wir 315 Mitglieder. Hinter diesen Fakten verbirgt sich ein Reichtum an Ideen sowie persönlichem Einsatz und Engagement in vielfältigen Projekten. Dahinter verbirgt sich aber auch eine rund zehnjährige Vorgeschichte mit Pskow. Sie nahm ihren Anfang mit den Überlegungen in den 80-er Jahren unter der Devise "Versöhnung mit den Völkern der Sowjetunion", wurde in den Tagungen der damaligen Akademie in Mülheim/Ruhr und in der Landessynode der EKiR aufgegriffen, führte zu Überlegungen des Osteuropakreises der Akademie und mündete in die Kontaktaufnahme mit der Stadt Pskow. Diese wurde von Präses Peter Beier aus ganzem Herzen unterstützt und mitgetragen. Es folgten im Mai 1991 der Besuch der Pskower in Deutschland und im Juni die Begegnung in Pskow vor dem Hintergrund des Überfalls der Wehrmacht auf die Sowjetunion. Was in den Zeiten von Glasnost und Perestroika begann, hat sich konsolidiert. Es bleibt zu hoffen, dass die politischen Verhältnisse in Russland der zukünftigen Arbeit nicht im Wege stehen werden.