Ein politisches Familienfest

Die Mitgliederversammlung der Initiative Pskow

Vierzig Stühle wären viel zu wenige gewesen für alle Mitglieder der Initiative Pskow, die den Weg ins Campanushaus, das Gemeindezentrum der Kirchengemeinde Wassenberg, gefunden hatten. Dennoch trug die Andacht, mit der der Vorsitzende Klaus Eberl die Mitgliederversammlung am 21. November 2009 um 15 Uhr eröffnete, genau diesen Titel. In wenigen Worten brachte er die Kernbotschaft der Initiative Pskow zum Ausdruck: Einen Platz für jeden Menschen in der Gesellschaft – unabhängig von einer Behinderung oder seiner Herkunft.

Diese Botschaft prägte auch den Bericht des Vorsitzenden. Im vergangenen Jahr sah sich die Initiative vielen Herausforderungen gegenüber. Als wichtigste Punkte, mit denen sich der Vorstand befasst hatte, nannte Klaus Eberl die Förderung zivilgesellschaftlichen Engagements in Pskow und Deutschland, die Altenarbeit und die Vernetzung zwischen mehreren Initiativen und Einrichtungen für Behindertenarbeit in verschiedenen Teilen der Russischen Föderation. Auf Anregung und mit Förderung durch die Robert Bosch Stiftung ist das Vernetzungsprojekt auf einem guten Weg. Das „Pskower Modell“ der Initiative Pskow steht nicht mehr allein da in Russland, sondern tauscht sich mit Partnern im ganzen Land aus. Berichtet wurde auch, dass jetzt auch in den Werkstätten ein „Diakoniezuschlag“ zum Gehalt der Mitarbeiter gezahlt wird, weil wir wollen, dass die Mitarbeiter sich ganz auf ihre Aufgaben mit den Beschäftigten in den Werkstätten konzentrieren und ihr Leben nicht durch einen Zweitjob finanzieren müssen.

Unsere Projekte zwischen Stadt und Oblast Pskow

Die Berichte der im Beirat vertretenen Projekte wurden in bewährter Art in schriftlicher Form verteilt. Dadurch konnten stellvertretend Hans Gottschling, Fabian Bach und Svenja Mühlendyk über ihre persönlichen Erfahrungen in Pskow während ihres „Senioren-“ bzw. Freiwilligendienstes berichten. Diese auch mit Fotos sehr anschaulich präsentierten Berichte fanden viel Anklang.

Leider konnte der Ehrengast Iwan Tsetserskij, der Pskower Stadtpräsident, wegen unaufschiebbarer Termine in Russland nicht nach Wassenberg kommen. Deshalb präsentierte das Ehrenmitglied Alexandra Pyshowa dessen Rede über die soziale und politische Lage in Pskow und die Zusammenarbeit der Stadt mit der Initiative. Der Bericht gab auch einen Ausblick auf die Zukunft und auf die Probleme zwischen Stadt und Oblast, was die Zuständigkeiten für die Projekte der Initiative angeht.

Fast schon ein Ritual und dennoch nie Routine ist die Aufnahme neuer Ehrenmitglieder. Diesmal wurden in diesen Kreis der im letzten Jahr ausgeschiedene stellvertretende Vorsitzende Hans-Peter Friedrich und der Geschäftsführer der Werner Peter Schmitz-Stiftung, Michael Dirkx, aufgenommen. In seiner Dankesrede versuchte Michael Dirkx zwar seinen nicht zu unterschätzenden Beitrag klein zu reden, stellte aber noch mehr Hilfe für die Projekte der IP in Aussicht.

Vorschau auf ein Jubiläum

Im Jahr 2011 jährt sich zum 20. Mal die Versöhnungsreise deutscher Christen mit Präses Peter Beier nach Pskow und zum 60. Mal der Anlass dieser Reise: der deutsche Überfall auf die Sowjetunion. Aus diesem Grund eröffnete der stellvertretende Geschäftsführer Ulrich Hack eine neue Wanderausstellung „Pskow 1941-2011 – Von der zerstörten zur sozialen Stadt“ in der benachbarten Kreuzkirche. Diese soll in den nächsten Monaten an möglichst vielen Orten gezeigt werden (s. S. 6).

Mit einem großen von der Kirchengemeinde gestifteten Büffet ging diese Mitgliederversammlung zu Ende. Die Initiative Pskow traf sich an einem der Orte, mit denen sie am stärksten in Verbindung gebracht wird. Die Partnerschaft der Kirchengemeinde Wassenberg mit dem Heilpädagogischen Zentrum ist ein wichtiger Grundstock für die Initiative Pskow. So fühlte es sich auch dieses Mal wieder so an, wie es das neue Ehrenmitglied Hans-Peter Friedrich vor einigen Jahren nannte: „ein Familienfest“.

Jonas Wiedner