Weihnachten feiern im HPZ und in den
Werkstätten
Wenn es kalt wird und wenn der Schnee fällt – und zwar
reichlich kalt und reichlich Schnee – dann rückt in Russland die
Weihnachtszeit näher. Das ist nicht selbstverständlich. 70 Jahre lang wurde in
Sowjetrussland Weihnachten überhaupt nicht oder nur von Wenigen im kleinsten
Kreis gefeiert. Das russische Weihnachtsfest beginnt in der Nacht vom 6. auf
den 7. Januar. Im Zarenreich war der 24. Dezember Heiligabend –
allerdings nach dem alten julianischen Kalender. Die Bolschewiki führten 1918
den gregorianischen Kalender ein, die orthodoxe Kirche weigert sich aber bis
heute, diese gottlose Neuerung anzuerkennen. Sie feiert Weihnachten im Dezember
nach altem und im Januar nach neuem Kalender. Den Kindern und Jugendlichen im
Heilpädagogischen Zentrum und in den Werkstätten dürfte das egal sein. Sie
feiern ohnehin schon mal vor. Wir haben in Pskow nachgefragt.
Im HPZ
Die Weihnachtsferien
der russischen Kinder (und also auch für die Kinder im HPZ) dauern ungefähr zwei
Wochen: von Ende Dezember bis zum 11. oder 12. Januar. Diese Zeit hat zwei Höhepunkte:
Neujahr am 1. und Weihnachten am 7. Januar. Bevor die Kinder Ferien haben, feiert
jede Schule ein großes Fest. Bei uns im HPZ passiert folgendes: Schon im
November fangen wir an, Weihnachtslieder zu üben (vom Winter, vom Schnee, vom Weihnachtsbaum,
von Ded Morós (Väterchen
Frost / Weinachtsmann) usw.). Solche Lieder singt man
normalerweise mit passenden Bewegungen in einem großen gemeinsamen Kreis um den
Weihnachtsbaum herum. Die Kinder, die das können, lernen Gedichte, um diese Ded Moros vorzulesen und ein
Geschenk von ihm zu bekommen. Mitte Dezember dekorieren wir die ganze Schule
und schmücken natürlich den Weihnachtsbaum. Dafür basteln wir viel. Das
eigentliche Fest feiern wir entweder bei uns im HPZ oder im Kulturzentrum der
Stadt Pskow. Und egal wo es stattfindet, es gibt immer ein Märchen oder eine
Zaubergeschichte, die mit den Kindern zusammen gespielt werden. Oft bereiten Studenten
vom Kunstkolleg für uns solche Theaterstücke vor. In jedem Theaterstück müssen
unbedingt Ded Moros und
seine Enkelin Snegurochka (Schneemädchen) in den Hauptrollen
vorkommen. Am Ende bekommt jedes Kind ein Geschenk von Ded
Moros (oft Süßigkeiten), das er aus seinem Sack zieht.
In diesem Jahr ist die Weihnachtsfeier bei uns am 25. Dezember geplant. Alle
Eltern sind dabei.
Zuhause
bekommen alle Kinder (und die Erwachsenen) ebenfalls Geschenke. Die liegen unter
dem Tannenbaum, und alle wissen, dass sie von Ded Moros gebracht werden. Aber man darf sie nicht vor 12 Uhr nachts
am 31. Dezember vom Tannenbaum wegnehmen und aufmachen.
Weihnachten
(Heiligabend) ist ein ruhiges Familienfest zuhause mit einem geschmückten Weihnachtsbaum
und leckerem Essen auf dem Tisch.
Wenn die Kinder
nach den Ferien wieder zur Schule kommen, fahren wir mit allen Kindern zu einer
Kirche in Pskow, um an einem Gottesdienst teilzunehmen.
Swetlana Andreewa
Stellvertretende
Direktorin des HPZ
Und in den Werkstätten
Seit vielen
Jahren feiern wir Weihnachten in den Werkstätten mit deutschen Freunden. Die
deutschen Partner kommen Mitte Dezember für eine Woche nach Pskow. Und
gewöhnlich an einem Freitag feiern wir zusammen Weihnachten. An diesem Tag
herrscht eine besondere Stimmung in den Werkstätten. Tagsüber bereiten die Beschäftigten
ein Konzert für die deutschen Kollegen vor. Und abends feiern die Mitarbeiter
der Werkstatt. Man organisiert ein Unterhaltungsprogramm mit Liedern und
Spielen. Man hält festliche Reden. Die Mitarbeiter schmücken die Kapelle und
denken sich selbst ein Festmenü aus.
Nadeshda Alexeewa
Mitarbeiterin
in den Werkstätten